Zum Video über Herkunft und Zugehörigkeit
Meine Zugehörigkeit hat dabei einen festen familiären Bezug: Meine Adoptivfamilie in Deutschland ist meine echte und wahre Familie. Meine Adoptiveltern sind meine Eltern. Mit ihnen verbinde ich Liebe, Geborgenheit und familiäres Zuhause, und ich bin ihnen dankbar. Dass Brasilien ebenfalls zu meiner kulturellen Geschichte gehört, erweitert meinen Blick auf mich selbst.
Nicht deutsch genug. Nicht brasilianisch genug. Wenn andere solche Maßstäbe an mein Leben anlegen, bleibt am Ende vor allem die Botschaft: Ganz gehörst du nirgendwo hin.
Genau diese Zuschreibung greife ich in meinem Video auf. Ich möchte nicht länger erklären müssen, warum meine Geschichte in mehr als eine Schublade passt.
Wer bestimmt, was genug ist?
Ich bin in Curitiba geboren und in Deutschland aufgewachsen. Brasilien gehört zu mir. Deutschland ebenfalls. Das ist meine Lebensgeschichte und kein Widerspruch, den andere für mich auflösen müssten.
Trotzdem erleben Menschen mit mehreren kulturellen Bezügen immer wieder Prüfungen: Sprache, Aussehen, Gewohnheiten. Irgendetwas scheint als Beweis für fehlende Echtheit herhalten zu müssen.
Das trifft mehr als ein Etikett
Solche Sätze können verletzen, weil sie Zugehörigkeit an Bedingungen knüpfen. Sie machen aus einem Menschen einen Bewerber um Anerkennung.
Ich möchte als ganzer Mensch wahrgenommen werden. Mit Herkunft und Beziehungen, mit Glauben und Musik, mit Blindheit und persönlichen Fragen. Keine dieser Seiten muss die anderen verdrängen.
Was ich mit meiner Arbeit verändern will
In meiner Arbeit für Inklusion und interkulturelle Begegnung geht es auch um diese Freiheit: Menschen sollen ihre Geschichte selbst erzählen können.
Für Gemeinden und Teams heißt das, nicht vorschnell zuzuordnen. Fragt, welche Verbindung ein Mensch zu einem Ort hat. Überlasst ihm, welche Worte er für sich benutzt. Und hört zu, wenn eine scheinbar harmlose Frage immer wieder ausschließend wirkt.
Zugehörigkeit darf größer werden
Wir gewinnen nichts, wenn Menschen Teile ihrer Geschichte verstecken müssen, um anerkannt zu werden. Wir gewinnen Beziehungen, wenn wir einander mehr Raum geben.
Ich bin nicht eine unfertige Hälfte von zwei Ländern. Ich bin Johannes. Und meine Geschichte darf vollständig dazugehören.
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