Adoption und Rassismus
Meine Familie in Deutschland ist meine echte und wahre Familie. Meine Adoptiveltern sind meine Eltern, denen ich mich eng verbunden fühle und für die ich dankbar bin. Liebe, Geborgenheit und die Beziehung zwischen Eltern und Kind verbinde ich mit ihnen. Rassistische Erfahrungen außerhalb dieses familiären Zuhauses gehören zu einer anderen Ebene meiner Geschichte.
Meine Familie in Deutschland gibt mir Zugehörigkeit und Geborgenheit. Draußen können mir Menschen trotzdem vermitteln, ich gehöre hier nicht hin. Beides ist gleichzeitig wahr. Wer als Schwarzer Mensch in einer weißen Familie aufwächst, verschwindet dadurch nicht aus den rassistischen Zuschreibungen der Gesellschaft.
Ich bin Schwarz, in Brasilien geboren und in Deutschland aufgewachsen. Diese Geschichte lässt sich nicht mit dem Satz erledigen, ich sei doch einfach einer von hier.
Nähe schützt nicht vor jeder Erfahrung
Familienmitglieder können dieselbe Situation unterschiedlich erleben. Was für eine weiße Begleitung ein gewöhnlicher Einkauf ist, kann für eine Schwarze Person durch misstrauische Blicke oder Kommentare geprägt sein.
Unterstützung beginnt damit, solche Erfahrungen ernst zu nehmen. Ich brauche nicht zuerst eine Erklärung, weshalb es bestimmt anders gemeint war.
Zuhören vor dem Einordnen
Wenn ein Mensch von Rassismus erzählt, ist eine hilfreiche erste Reaktion: „Was ist passiert? Was brauchst du jetzt?“ Damit bleibt die Erfahrung bei der Person, die sie gemacht hat.
Wer sofort über die Absicht des Gegenübers diskutiert, verschiebt den Schwerpunkt. Plötzlich soll der betroffene Mensch nicht nur die Verletzung tragen, sondern auch noch beweisen, dass er sie richtig verstanden hat.
Gemeinden haben eine Verantwortung
Eine Gemeinde kann sich als Familie verstehen und trotzdem rassistische Muster haben. Prüft, wer sprechen darf, wessen Theologie als selbstverständlich gilt und wer ständig nach seiner Herkunft gefragt wird.
Wenn ein abwertender Satz fällt, sollten nicht nur die Betroffenen reagieren müssen. Leitung und Mitarbeitende können widersprechen und Unterstützung anbieten. Ein vertrautes Umfeld wird durch solches Handeln glaubwürdig.
Zugehörigkeit darf verlässlich sein
Ich wünsche mir Menschen, die meine Geschichte kennen wollen, ohne meine Erfahrungen kleiner zu machen. Und Gemeinschaften, in denen Zusammenhalt mehr bedeutet als ein freundliches Selbstbild.
Wer an meiner Seite steht, muss nicht alles selbst erlebt haben. Aber er kann bereit sein, mir zu glauben und mit mir etwas zu verändern.
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