Fußball und Zugehörigkeit
Für welche Mannschaft schlägt dein Herz? Eine einfache Frage. Bei mir führt sie mitten in meine Geschichte. Ich bin in Curitiba geboren, in Deutschland aufgewachsen und durch meine Beziehung auch mit Mexiko verbunden. Warum sollte mein Herz daraus einen Wettbewerb machen?
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 findet in Kanada, Mexiko und den USA statt. Für mich ist das ein Anlass, über Zugehörigkeit zu sprechen. Über die Freude an verschiedenen Ländern. Und über den Druck, sich trotzdem immer eindeutig zuordnen zu sollen.
Drei Verbindungen, drei unterschiedliche Geschichten
Brasilien ist mein Geburtsland. Deutschland hat mich geprägt und ist mein Zuhause. Mexiko ist durch einen Menschen, den ich liebe, Teil meines Lebens geworden. Diese Verbindungen sind unterschiedlich. Keine muss die andere verdrängen.
Wenn ich mich über brasilianischen Fußball freue, wird mein Deutschsein dadurch nicht kleiner. Wenn ich mit Deutschland mitfiebere, verleugne ich meine Herkunft nicht. Und meine Verbindung zu Mexiko ist mehr als eine weitere Flagge.
Wer verlangt eigentlich diese Entscheidung?
Im Fußball ist die Frage nach einem Team oft spielerisch. Im Alltag kann dieselbe Logik verletzen: Wo gehörst du wirklich hin? Welches Land ist dein richtiges? Als könnten andere über meine Geschichte abstimmen.
Mehrere Zugehörigkeiten sind kein Zeichen mangelnder Loyalität. Sie erzählen davon, dass Menschen Beziehungen haben, Sprachen lernen und an verschiedenen Orten geprägt werden. Eine Gesellschaft darf dafür Platz haben.
Was Gemeinden daraus lernen können
Ein gemeinsamer Fußballabend kann ein guter Gesprächseinstieg sein. Fragt nicht nur nach dem Lieblingsteam. Fragt, welche Geschichte mit einem Land verbunden ist. Lasst Menschen selbst bestimmen, was sie erzählen möchten.
Verzichtet darauf, jemanden wegen Aussehen oder Nachnamen einer Mannschaft zuzuordnen. Und achtet darauf, ob aus Neckereien abwertende Sprüche werden. Gastfreundschaft zeigt sich auch dann, wenn die Stimmung im Spiel kippt.
Mehr Platz am gemeinsamen Tisch
Ich wünsche mir Begegnungen, bei denen Begeisterung verbindet und Unterschiede neugierig machen. Wir müssen nicht für dieselbe Mannschaft sein, um respektvoll miteinander zu feiern.
Mein Herz muss nicht kleiner werden, damit es in eine nationale Schublade passt. Vielleicht braucht unser gemeinsamer Tisch einfach ein paar Stühle mehr.
Quellen und weiterführende Informationen
FIFA: Spielplan und Austragungsorte der WM 2026
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