Ukulele-Bibliothek · Mein Leben mit der Ukulele

Ich wünsche mir mehr Ukulele in unseren Kirchen

Von Johannes Immanuel Schneider · 6 Minuten Lesezeit

Ich liebe Kirchenmusik. Ich finde es faszinierend, was eine Orgel mit einem Raum machen kann. Ich mag die Möglichkeiten eines Klaviers und die Wärme einer Gitarre. Als leidenschaftlicher Musiker freue ich mich über diese Vielfalt. Zugleich spüre ich immer wieder, wie deutlich die Ukulele mein eigenes Herzensinstrument ist. Deshalb wünsche ich mir, dass ihr Klang in unseren Kirchen häufiger zu hören ist.

Ich wünsche mir Gottesdienste, in denen sie selbstverständlich ein Lied begleitet. Gemeindeabende, bei denen ihre Freude ansteckt. Kleine musikalische Begegnungen, bei denen sie Menschen zusammenbringt. Und ich wünsche mir, dass wir ihr die gleiche musikalische Aufmerksamkeit schenken wie anderen Instrumenten: gute Arrangements, passende Tonarten, sorgfältiges Zusammenspiel und Raum für ihren eigenen Ausdruck.

Johannes spielt Ukulele in einem hellen Kirchenraum.
Musik, die Menschen zusammenbringt: Johannes mit Ukulele im Kirchenraum.

In diesem Artikel

Was ich an ihrem Klang in der Kirche liebe

Die Ukulele kann einem Lied etwas Helles und Nahes geben. Ihre Töne haben für mich Wärme und Beweglichkeit. Eine einfache Begleitung lässt die Stimme deutlich hervortreten. Einzelne gezupfte Töne können eine ruhige Atmosphäre schaffen. Ein lebendiger Rhythmus kann zum Mitsingen einladen. Ich mag, wie viele unterschiedliche musikalische Gesten in diesem kleinen Instrument möglich sind.

Gerade im Gottesdienst interessiert mich, wie Musik Menschen beteiligt. Ein Lied kann gemeinsam getragen werden. Man hört die Stimmen um sich herum. Eine Begleitung hilft beim Finden des Pulses und beim nächsten Einsatz. Die Ukulele kann dabei eine freundliche, klare Rolle übernehmen.

Ich möchte, dass man sie in ihrer ganzen musikalischen Breite kennenlernt. Zu ihr gehören feine Melodien, differenzierte Rhythmen und ausdrucksvolle Begleitungen. Ihre Freude hat Tiefe. Sie kann einen fröhlichen Refrain ebenso gestalten wie ein stilles Lied oder einen nachdenklichen Übergang.

Gute Musik beginnt mit dem Hinhören

Wenn ich an Ukulele im Gottesdienst denke, denke ich zuerst an das Lied und an die Menschen, die es singen sollen. Wo liegt die Melodie? Welche Tonart ist gut singbar? Wie viel Bewegung braucht die Begleitung? Wie kann ein Vorspiel den Einstieg verständlich machen? Diese Fragen geben dem Instrument eine konkrete Aufgabe.

Für mich gehört dazu auch, die eigene Begeisterung musikalisch zu übersetzen. Ich liebe den Klang der Ukulele. Damit andere ihn gut erleben können, möchte ich sorgfältig spielen, auf die Lautstärke achten und der gemeinsamen Stimme Raum geben. Eine gute Begleitung hört mit. Sie trägt den Gesang und reagiert darauf, wie eine Gruppe tatsächlich singt.

Besonders schön finde ich Arrangements, in denen verschiedene Instrumente ihre Stärken einbringen. Eine Gitarre kann ein tieferes Fundament geben. Ein Klavier kann Harmonien weit auffächern. Die Ukulele kann mit einem hellen Rhythmus oder einer gezupften Figur dazukommen. So entsteht ein gemeinsamer Klang, in dem jedes Instrument einen erkennbaren Platz hat.

Kirche als Ort, an dem man sich beteiligen darf

Meine Arbeit beschäftigt sich mit Inklusion und Zugehörigkeit. Diese Fragen gehören für mich auch zur Musik. Wer kann das Liedblatt lesen? Wer versteht eine Ansage? Wer braucht den Ablauf vorher? Wer möchte mitsingen und wer lieber zuhören? Eine Gemeinde wird musikalisch gastfreundlich, wenn sie solche Unterschiede mitdenkt.

Als blinder Mensch weiß ich, wie viel eine klare Erklärung ausmachen kann. Ein sichtbares Nicken ersetzt keine verständliche Ansage. Ein Akkordbild braucht eine zugängliche Beschreibung. Ein Liedtext sollte so vorliegen, dass Menschen ihn mit ihren Hilfsmitteln lesen können. Das sind praktische Voraussetzungen dafür, gemeinsam Musik zu machen.

Die Ukulele bietet dafür schöne Möglichkeiten. Eine Gruppe kann unterschiedliche Aufgaben verteilen. Manche spielen einen einfachen Grundschlag, andere wechseln Akkorde, wieder andere singen oder übernehmen eine Melodie. Beteiligung darf wachsen. Wer mit wenigen Tönen beginnt, kann schon einen hörbaren Beitrag leisten.

Mehr Aloha im kirchlichen Miteinander

Was mich am Aloha-Gedanken anspricht, möchte ich auch in unseren Kirchen erleben: Freundlichkeit, Geduld, aufmerksame Begegnung und ein Gefühl von Verbundenheit. Ich wünsche mir musikalische Räume, in denen Menschen gern dazukommen. Räume, in denen man etwas ausprobieren darf und andere mit Interesse zuhören.

Eine solche Haltung zeigt sich im Kleinen. Jemand erklärt einen Rhythmus noch einmal. Eine Gruppe nimmt ein Tempo, in dem alle den Einstieg finden. Erfahrene Musiker geben Hinweise, die ermutigen und konkret weiterhelfen. Man freut sich gemeinsam über das, was schon klingt. So wird aus einer Probe auch ein Ort des Miteinanders.

Ich verbinde die Ukulele mit dieser Einladung. Sie erinnert mich an meinen eigenen Anfang. Eine Freundin gab mir ein Instrument und traute mir vier Akkorde zu. Ich wünsche mir, dass Kirchen solche Anfänge ermöglichen. Vielleicht entdeckt jemand dabei eine musikalische Begabung. Vielleicht findet ein Mensch einen neuen Platz in der Gemeinschaft.

Tropical Worship als musikalischer Weg

Meine eigene Vision dafür heißt Tropical Worship. Darin begegnen sich die Ukulele, brasilianische und lateinamerikanische Klangfarben, akustischer Pop, Worship und meine Liebe zum Meer. Ich möchte Musik gestalten, die Hoffnung hörbar macht und Menschen zum gemeinsamen Singen einlädt.

Diese Vision wächst aus meinem Leben. Brasilien gehört zu meiner Herkunft. Ostfriesland ist mein heutiger Lebensmittelpunkt. Die Ukulele ist meine musikalische Heimat. Mein Glaube prägt meine Hoffnung und meine Arbeit. In Tropical Worship möchte ich diese Beziehungen musikalisch zusammenbringen.

Das kann ganz konkret beginnen: ein vertrautes Lied mit einer feineren rhythmischen Bewegung, eine ruhige Ukulelenbegleitung zu einer Andacht oder ein kleines Arrangement mit Gitarre und Gesang. Mich interessiert, wie eine eigene Klangfarbe entsteht, die zugleich offen für die Menschen im Raum bleibt.

Wozu ich Gemeinden einladen möchte

Gebt der Ukulele einen ernsthaften Platz in eurer musikalischen Vorstellung. Hört euch an, was auf ihr möglich ist. Plant ein Lied, bei dem sie eine sinnvolle Aufgabe bekommt. Fragt Menschen in eurer Gemeinde, wer spielt oder gern anfangen würde. Schafft Gelegenheiten zum gemeinsamen Lernen.

Ich möchte zu dieser Entwicklung beitragen. Durch meine Musik, durch Gespräche und durch diese Bibliothek. Hier findet ihr Grundlagen zum Instrument und einen ausführlichen Praxisartikel über Ukulele-Arrangements im Gottesdienst. Auf meiner Musikseite beschreibe ich außerdem Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Mein Wunsch ist persönlich und klar: Ich möchte mehr von dieser hellen, verbindenden und ansteckenden Freude in unseren Kirchen hören. Die Ukulele gehört für mich mitten hinein in eine lebendige musikalische Gemeinschaft.

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