Ukulele-Bibliothek · Geschichte und Kultur

Aloha und Ukulele: Freundlichkeit, Verbundenheit und gelebte Gastfreundschaft

Von Johannes Immanuel Schneider · 7 Minuten Lesezeit

Wenn ich an die Ukulele denke, denke ich auch an eine bestimmte Art des Miteinanders. Jemand beginnt ein Lied. Andere hören zu, finden den Rhythmus oder singen mit. Man lässt einander Platz und freut sich über das, was gemeinsam entsteht. Mit dem Wort Aloha verbinde ich diese Einladung zu Freundlichkeit, Nähe und Gemeinschaft. Umso mehr lohnt es sich, den Begriff in seiner hawaiischen Herkunft kennenzulernen.

Aloha ist ein Wort der hawaiischen Sprache. Es wird zur Begrüßung und zum Abschied verwendet und trägt Bedeutungen wie Liebe, Zuneigung und Mitgefühl. Das Wörterbuchprojekt Wehe²wiki² der University of Hawaiʻi erschließt dazu mehrere historische und moderne Wörterbücher. Schon dieser sprachliche Blick zeigt, dass ein einzelnes deutsches Wort den Bedeutungsraum nicht vollständig abbildet. Hawaiian Language Dictionaries: aloha

In diesem Artikel

Ein Wort beschreibt Beziehungen

Grußwörter tun etwas zwischen Menschen. Sie eröffnen eine Begegnung, erkennen die Anwesenheit des Gegenübers an oder begleiten einen Abschied. Bei Aloha kommt ein weiter Bedeutungsraum von Zuneigung und Verbundenheit hinzu. Das macht den Begriff für Menschen außerhalb Hawaiʻis anziehend. Wer ihn kennenlernen möchte, sollte bei diesen Beziehungen anfangen.

Gastfreundschaft zeigt sich beispielsweise darin, wie jemand ankommen kann. Wird ein neuer Mensch wahrgenommen? Gibt es eine verständliche Einladung? Ist Raum für seine Fragen? Eine freundliche Atmosphäre entsteht durch konkrete Handlungen. Im musikalischen Zusammenhang können das ein erklärter Akkord, ein angemessenes Tempo oder ein aufmerksames Zuhören sein.

Diese Anwendungen sind meine Übertragung in die Praxis des gemeinsamen Musizierens. Sie ersetzen keine hawaiische Definition. Sie zeigen, weshalb mich die Beschäftigung mit Aloha persönlich anspricht. Ich finde darin Anregungen für eine Haltung, die Menschen miteinander in Beziehung bringt.

Fünf Begriffe als Zugang

In einer bekannten Auslegung werden fünf hawaiische Begriffe mit den Buchstaben von ALOHA verbunden: Akahai, Lōkahi, ʻOluʻolu, Haʻahaʻa und Ahonui. Sie stehen für Freundlichkeit, Einheit beziehungsweise Verbundenheit, angenehmes und zugewandtes Verhalten, Bescheidenheit sowie Geduld. Die Lehre wird mit der hawaiischen Dichterin und Denkerin Pilahi Paki verbunden. Die University of Hawaiʻi beschreibt ihre Weitergabe bis in die Gegenwart. University of Hawaiʻi: Aloha and action

Diese fünf Wörter lassen sich als Einladung lesen, die eigene Haltung zu prüfen. Freundlichkeit kann in der Art einer Erklärung liegen. Verbundenheit zeigt sich im Mitdenken anderer. Bescheidenheit lässt Raum für ihre Erfahrungen. Geduld hilft, wenn ein gemeinsamer Lernprozess mehr Zeit braucht. Die Begriffe gewinnen Bedeutung, wenn sie in Handlungen übersetzt werden.

Man sollte diese Buchstabenfolge als eine bestimmte Auslegung kennenlernen. Sie ist kein sprachgeschichtlicher Beweis dafür, dass das Wort ursprünglich aus fünf Anfangsbuchstaben zusammengesetzt wurde. Wer Bedeutung und Herkunft auseinanderhält, kann die Lehre würdigen und zugleich sprachlich sorgfältig bleiben.

Aloha im öffentlichen Selbstverständnis Hawaiʻis

Der Aloha Spirit ist auch in den Hawaii Revised Statutes, Abschnitt 5-7.5, beschrieben. Der Text verbindet Herz und Verstand, gegenseitige Zuwendung und die Bedeutung jedes Menschen für das gemeinsame Leben. Er nennt die fünf Begriffe und richtet sich auch an Menschen in öffentlichen Ämtern. Die University of Hawaiʻi–West Oʻahu stellt den Wortlaut bereit. Law of the Aloha Spirit

Für diesen Artikel ist daran vor allem interessant, dass Aloha ausdrücklich mit gesellschaftlichen Beziehungen verbunden wird. Es geht um die Art, wie Menschen miteinander umgehen. Der Begriff bleibt dadurch nicht auf eine Urlaubsatmosphäre oder ein persönliches Wohlgefühl beschränkt. Er kann Fragen an Verantwortung, Aufmerksamkeit und öffentliches Handeln stellen.

Wer sich mit der Ukulele beschäftigt, kann diesen Zusammenhang als Anlass nehmen, auch hawaiischen Stimmen zuzuhören. Ein Instrument führt dann zu Sprache, Geschichte und Gegenwart. Das vertieft die eigene Begeisterung, weil Menschen und kulturelle Zusammenhänge hinter dem vertrauten Klang sichtbar werden.

Was eine Ukulelenrunde davon lernen kann

Stell dir eine Gruppe vor, in die jemand zum ersten Mal kommt. Die Person kennt vielleicht zwei Akkorde und weiß nicht, ob das reicht. Eine gute Einladung beginnt damit, den Ablauf zu erklären. Heute spielen wir ein langsames Lied. Wer möchte, schlägt nur auf dem ersten Schlag an. Wer die Wechsel schon kennt, spielt die ganze Begleitung. Zuhören ist ebenfalls willkommen.

Damit wird Beteiligung konkret. Die Gruppe zeigt, dass verschiedene Erfahrungsstände Platz haben. Ein neuer Mensch muss seine Unsicherheit nicht erst vor allen begründen. Er bekommt eine verständliche Aufgabe und kann selbst entscheiden, wie viel er übernimmt. So entsteht eine Form von Gastfreundschaft, die man musikalisch erleben kann.

Geduld bedeutet dabei auch, genau hinzuhören. Wenn ein Wechsel nicht klappt, hilft eine konkrete Erklärung mehr als ein pauschales „Du schaffst das schon“. Welcher Finger bewegt sich zuerst? Kann ein Finger liegen bleiben? Braucht es zwischen den Akkorden einen langsameren Übergang? Freundlichkeit und fachliche Genauigkeit passen gut zusammen.

Gemeinsamkeit lässt Unterschiede zu

In einer musikalischen Gruppe müssen nicht alle dieselbe Aufgabe haben. Eine Person singt, eine andere spielt eine Melodie, jemand hält den Puls. Das gemeinsame Ergebnis entsteht durch diese unterschiedlichen Beiträge. Verbundenheit kann deshalb gerade darin liegen, die jeweiligen Möglichkeiten wahrzunehmen und sinnvoll zusammenzubringen.

Für mich hat das eine direkte Verbindung zur Inklusion. Ein sichtbares Handzeichen ist für einen blinden Musiker nicht zugänglich. Eine hörbare Ansage schon. Ein zu schneller Ablauf kann Menschen ausschließen, die mehr Zeit zum Orientieren brauchen. Eine klare Struktur schafft Beteiligung. Solche Entscheidungen gehören für mich zu einer aufmerksamen Musikkultur.

Auch Lautstärke ist eine soziale Frage. Wer sehr kräftig spielt, kann andere ungewollt verdecken. Wer bewusst zuhört, merkt, ob die gemeinsame Stimme noch hörbar ist. Musikalische Rücksichtnahme wird dann zu einer Fähigkeit, die man üben kann: den eigenen Klang so gestalten, dass andere darin Platz finden.

Meine Verbindung zu Kirche und Hoffnung

Ich wünsche mir viel von dieser Freundlichkeit und Verbundenheit in unseren Kirchen. Die Ukulele ist für mich ein Instrument, das diese Einladung hörbar machen kann. Ein heller Klang, eine verständliche Begleitung und ein gemeinsamer Refrain können Menschen zusammenführen. Dazu braucht es eine Haltung, die das Mitmachen tatsächlich ermöglicht.

Mein eigener Anfang war von Zutrauen geprägt. Eine Freundin gab mir eine Ukulele und traute mir zu, vier Akkorde zu lernen. Diese Erfahrung möchte ich weitergeben. Die Bibliothek soll Wissen zugänglich machen und Lust auf Musik wecken. Aloha ist für mich ein wichtiger Anlass, darüber nachzudenken, wie wir einander auf diesem Weg begegnen.

Eine kleine Aufgabe für die nächste Begegnung

Nimm dir beim nächsten gemeinsamen Spielen eine konkrete Sache vor. Begrüße jemanden, der neu ist. Erkläre einen Griff in Ruhe. Frage, welche Tonart angenehm ist. Lass nach einem Lied Zeit für eine Rückmeldung. Solche Handlungen sind klein genug, um sie wirklich umzusetzen, und bedeutsam genug, um eine Atmosphäre zu verändern.

Die Ukulele kann dabei ein schöner Ausgangspunkt sein. Was daraus entsteht, gestalten Menschen miteinander. Genau diese Verbindung aus Instrument, Aufmerksamkeit und gelebter Gastfreundschaft macht Aloha für meine Beschäftigung mit der Ukulele so wertvoll.

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