Ukulele-Bibliothek · Instrument und Klang

Pineapple, Longneck, Banjolele und mehr: Die vielfältige Ukulele-Familie

Von Johannes Immanuel Schneider · 5 Minuten Lesezeit

Die Ukulele lässt sich an vier Saiten und einer kleinen Gitarrenform erkennen – häufig jedenfalls. Ihre Familie ist vielfältiger. Manche Instrumente haben einen rundlichen Korpus ohne Taille, andere ein Fell, einen besonders langen Hals oder doppelte Saiten. Wer genauer hinschaut, entdeckt unterschiedliche Antworten auf musikalische Wünsche.

Ich finde diese Vielfalt ermutigend. Sie zeigt, dass die Ukulele kein festgelegtes Bild erfüllen muss. Menschen haben sie verändert, weiterentwickelt und für ihre Musik eingerichtet. Auch mein eigener Wunsch nach einer hörbaren Ukulele in Kirche und Gesellschaft steht in dieser Offenheit: Das Instrument darf neue Zusammenhänge kennenlernen.

In diesem Artikel

Pineapple: eine andere Korpusform

Die Pineapple-Ukulele hat einen rundlichen, an eine Ananas erinnernden Umriss. Die Taille der üblichen Gitarrenform fehlt. Samuel Kamaka entwickelte diese Bauform; die Firmengeschichte nennt 1928 als Jahr des Patents. Auf der Kamaka-Geschichtsseite lässt sich diese Entwicklung nachlesen.

Aus der Form allein folgt kein einheitlicher Klang. Korpusvolumen, Decke und Konstruktion beeinflussen das Ergebnis ebenfalls. Vergleiche deshalb möglichst Instrumente mit ähnlicher Mensur und Besaitung. Dann kannst du besser hören, welche Unterschiede tatsächlich auffallen.

Auch beim Halten macht sich der Umriss bemerkbar. Eine fehlende Taille verändert die Auflage am Körper. Ob sich das angenehm anfühlt, hängt von deiner Haltung ab. Spiele deshalb einige Minuten und nicht nur einen einzelnen Akkord.

Longneck: kleiner Korpus, längerer Hals

Bei einer Longneck-Ukulele wird ein kleinerer Korpus mit einer längeren Mensur verbunden. So kann etwa ein soprangroßer Korpus mit einem längeren Hals kombiniert werden. Die genaue Kombination steht in den Herstellerangaben; der Begriff allein ist nicht eindeutig genug.

Das ist interessant, wenn du einen kompakten Korpus magst, aber mehr Bundabstand suchst. Zugleich kann sich die Balance verändern. Ein längerer Hals bringt Gewicht und Hebelwirkung mit. Prüfe, ob das Instrument ohne zusätzliche Haltespannung in einer guten Position bleibt.

Beim Saitenkauf zählt die tatsächliche Mensur. Ein Satz, der nur nach der Korpusgröße ausgewählt wird, kann ungeeignet sein. Notiere deshalb die Modellbezeichnung und die technischen Daten deines Instruments.

Banjolele: Saiten über einem Fell

Die Banjolele verbindet einen ukulelenartigen Hals mit einem banjoartigen Resonanzsystem. Statt einer üblichen Holzdecke schwingt ein gespanntes Fell. Dadurch kann der Ton deutlich anspringen und rhythmische Konturen stark hervorheben. Offene und geschlossene Rückseiten sowie unterschiedliche Konstruktionen verändern den Klang zusätzlich.

In der britischen Unterhaltungsmusik ist diese Instrumentenform besonders mit George Formby verbunden. Die George Formby Society pflegt diese musikalische Tradition. Ihre Spielweisen zeigen, wie virtuos rhythmisches Ukulelespiel sein kann.

Ein Fellinstrument verlangt eigene Pflege und Einstellung. Fellspannung und Stegposition beeinflussen die Funktion. Wer darin keine Erfahrung hat, sollte Veränderungen fachkundig begleiten lassen. Die gewohnten Pflegeroutinen einer Holzdeckenukulele lassen sich nicht vollständig übertragen.

Resonator und elektrische Bauformen

Bei Resonatorinstrumenten übernimmt ein metallischer Resonator einen wesentlichen Teil der Klangabstrahlung. Das kann eine markante Klangfarbe ergeben. Bauart, Material und Einstellung unterscheiden sich. Die Bezeichnung beschreibt zunächst das Konstruktionsprinzip, keine Garantie für eine bestimmte Lautstärke.

Elektrische Ukulelen können einen massiven oder wenig resonierenden Korpus haben. Sie benötigen für ihre vorgesehene Lautstärke eine passende Verstärkung. Eine elektroakustische Ukulele besitzt dagegen einen akustischen Resonanzkörper und zusätzlich einen Tonabnehmer. Beide Konzepte können sinnvoll sein, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

Für gemeinsames Singen ohne Technik ist die akustische Lautstärke wichtig. Für eine verstärkte Bühne können Rückkopplungsverhalten, Anschlüsse und Klangregelung stärker ins Gewicht fallen. Frage zuerst nach deiner Anwendung und danach nach der Bauform.

Fünf, sechs und acht Saiten

Mehr Saiten bedeuten bei Ukulelen häufig zusätzliche Saiten innerhalb eines Chors. Ein Chor besteht aus Saiten, die gemeinsam gegriffen und angeschlagen werden. Sie können gleich gestimmt sein oder im Oktavabstand liegen. Dadurch entstehen dichtere Klangfarben.

Eine achtsaitige Ukulele hat oft vier doppelte Chöre. Bei fünf- und sechssaitigen Instrumenten sind nur einzelne Chöre verdoppelt. Welche Saiten in welcher Oktave gestimmt werden, hängt vom Modell und dem vorgesehenen Satz ab. Übernimm deshalb keine beliebige Stimmtabelle, ohne die Herstellerangaben zu vergleichen.

Beim Greifen müssen die zusammengehörigen Saiten sauber klingen. Das kann mehr Genauigkeit verlangen. Beim Stimmen hörst du außerdem kleine Abweichungen zwischen den Saiten eines Chors besonders deutlich. Die zusätzliche Klangfülle bringt also auch zusätzliche Aufmerksamkeit mit sich.

Bass-Ukulele und Guitarlele

Bass-Ukulelen sind für tiefe Register gebaut und verwenden dafür besondere Saiten und Konstruktionen. Viele werden wie ein Bass in E–A–D–G gestimmt. Ihre Funktion im Ensemble unterscheidet sich deutlich von der üblichen GCEA-Ukulele. Prüfe bei einem konkreten Modell Stimmung und Verstärkungsbedarf.

Die Guitarlele besitzt meist sechs Saiten und verbindet gitarrenartige Griffstrukturen mit einem kleinen Format. Häufig ist sie A–D–G–C–E–A gestimmt. Auch hier ist die Modellangabe maßgeblich. Vier-Saiten-Griffe lassen sich nicht unverändert als vollständige Akkorde übernehmen.

Vielfalt mit einer eigenen Frage erkunden

Stelle dir vor dem Ausprobieren eine konkrete musikalische Aufgabe: einen Gesang begleiten, einen rhythmischen Akzent setzen, eine Basslinie spielen oder eine Melodie tragen. Höre dann, welche Bauform diese Aufgabe unterstützt. So wird Vielfalt verständlich und bleibt mit deiner Musik verbunden.

Ergänzend erklärt Kala verschiedene Stimmungsvarianten. Für deine eigene Entscheidung helfen die Artikel über Instrumentenauswahl und Verstärkung.

Dein nächster Weg durch die Bibliothek

Alle Themen der Ukulele-Bibliothek · Eine Frage oder Idee mit mir teilen