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Harmonielehre für Ukulele: Wie aus Tönen Akkorde und aus Akkorden Musik wird

Von Johannes Immanuel Schneider · 5 Minuten Lesezeit

Ein Akkord kann sich nach Ankommen anfühlen. Ein anderer scheint weitergehen zu wollen. Zwei Griffe unterscheiden sich nur um einen Finger, und plötzlich verändert sich die Stimmung. Harmonielehre hilft, solche Erfahrungen zu verstehen und musikalisch zu nutzen.

Ich mag Wissen, das beim Spielen lebendig wird. Deshalb beginnt diese Einführung bei hörbaren Beziehungen. Du brauchst keine umfangreichen Vorkenntnisse. Eine gestimmte Ukulele und die Bereitschaft, einem Ton etwas länger zuzuhören, reichen für den Anfang.

In diesem Artikel

Halbtonschritte auf dem Griffbrett

Jeder Bund erhöht den Ton einer Saite um einen Halbton. Zwei Bünde entsprechen einem Ganzton. Nach zwölf Bünden erreichst du denselben Tonnamen eine Oktave höher. Auf der offenen A-Saite heißt der Ton A; am zwölften Bund wieder A in höherer Lage.

Zwischen manchen Stammtönen liegt ein Ganzton, zwischen E und F sowie zwischen H und C ein Halbton. In internationaler Schreibweise heißt das deutsche H „B“. In dieser Bibliothek verwende ich bei Akkordsymbolen die international verbreitete Schreibweise und erkläre Verwechslungen ausdrücklich.

Ein Kreuz erhöht einen Ton um einen Halbton. Ein ♭ erniedrigt ihn um einen Halbton. Auf dem gleichstufig gestimmten Griffbrett kann dieselbe Position verschiedene Namen haben, etwa F♯ und G♭. Welcher Name musikalisch sinnvoll ist, hängt vom Zusammenhang ab.

Die Durtonleiter als Ordnung

Eine Durtonleiter folgt dem Abstandsmuster Ganzton, Ganzton, Halbton, Ganzton, Ganzton, Ganzton, Halbton. In C-Dur ergeben sich C–D–E–F–G–A–B–C, wobei B wieder dem deutschen H entspricht.

Spiele auf der C-Saite die Bünde 0, 2, 4, 5, 7, 9, 11 und 12. Du hörst die C-Dur-Tonleiter auf einer einzigen Saite. Die Wege sind groß, aber die Abstände werden dadurch besonders deutlich.

Singe die Töne mit, wenn das für dich angenehm ist. Versuche anschließend, die Tonleiter zu singen und nur einzelne Töne auf der Ukulele zu kontrollieren. So wird aus einer Zahlenfolge eine hörbare Ordnung.

Dreiklänge aus jedem zweiten Ton

Ein grundlegender Dreiklang entsteht, wenn du aus einer Tonleiter jeden zweiten Ton übereinanderschichtest. Beginnst du bei C, erhältst du C–E–G. Das ist C-Dur. Beginnst du bei A und bleibst in den Tönen von C-Dur, erhältst du A–C–E: A-Moll.

Der Unterschied liegt in den Abständen. Beim Durakkord beträgt der Abstand vom Grundton zur Terz vier Halbtöne, beim Mollakkord drei. Die Quinte liegt im gewöhnlichen Dur- und Molldreiklang sieben Halbtöne über dem Grundton.

Auf der Ukulele können Akkordtöne doppelt vorkommen und in anderer Reihenfolge liegen. Ein C-Dur-Akkord muss also nicht mit C als tiefstem Ton beginnen. Solange die passenden Töne zusammenkommen, bleibt seine grundlegende harmonische Identität erhalten.

Akkorde einer Tonart

Aus der C-Dur-Tonleiter ergeben sich auf den sieben Stufen die Dreiklänge C, Dm, Em, F, G, Am und B vermindert. Die Bezeichnungen I bis VII helfen, diese Beziehungen unabhängig von einer bestimmten Tonart zu beschreiben.

Eine Folge I–IV–V bedeutet in C-Dur C–F–G. In G-Dur bedeutet sie G–C–D. Das Muster bleibt gleich, die konkreten Akkordnamen ändern sich. Dieses Denken ist besonders hilfreich, wenn ein Lied für eine Stimme höher oder tiefer gesetzt werden soll.

Spiele C–F–G7–C. Höre, wie der letzte Akkord einen Abschluss ermöglicht. Spiele danach C–Am–F–G7 und lasse die Folge offen enden. Der Wunsch nach einer Fortsetzung ist ein Teil harmonischer Wirkung.

Septakkorde und zusätzliche Farben

Bei einem Septakkord kommt zum Dreiklang eine weitere geschichtete Terz hinzu. G7 enthält G–B–D–F. Cmaj7 enthält C–E–G–B. Das kleine „maj“ ist wichtig: C7 und Cmaj7 sind unterschiedliche Akkorde.

C7 enthält B♭, also das deutsche B, während Cmaj7 das internationale B beziehungsweise deutsche H enthält. Die Abkürzungen beschreiben konkrete Töne und nicht nur eine allgemeine Stimmung.

Auf GCEA kannst du C7 als 0001 und Cmaj7 als 0002 spielen. Vergleiche beide mit C-Dur 0003. Nur ein Finger bewegt sich, doch die Farbe verändert sich deutlich. Spiele langsam und lasse jeden Klang stehen.

Umkehrungen und Stimmführung

Wenn ein anderer Akkordton als der Grundton unten liegt, spricht man bei einem Dreiklang von einer Umkehrung. Auf High-G-Ukulelen musst du dafür die tatsächlichen Tonhöhen beachten: Die vierte Saite ist nicht automatisch die tiefste.

Stimmführung fragt danach, wie einzelne Töne von einem Akkord zum nächsten wandern. Gemeinsame Töne können liegen bleiben. Andere bewegen sich nur einen Halbton oder Ganzton. Solche kleinen Wege machen Akkordfolgen oft besonders zusammenhängend.

Beim Üben kannst du zunächst nur den höchsten Ton verschiedener Griffe verfolgen. Singe diese Linie mit. Danach höre auf einen mittleren Ton. Du entdeckst, dass in einer Begleitung mehrere kleine Melodien verborgen sein können.

Transponieren für Menschen

Eine Tonart ist auch eine Frage der Singbarkeit. Wenn ein Lied für die Gruppe zu hoch liegt, hilft es, die gesamte Akkordfolge entsprechend zu verschieben. Alle harmonischen Beziehungen bleiben dabei erhalten.

Für mich gehört diese Entscheidung zur gastfreundlichen Musikgestaltung. Ein leicht greifbarer Akkord ist hilfreich; eine für die Menschen passende Gesangslage ist ebenso wichtig. Mit etwas Harmoniewissen lassen sich beide Bedürfnisse bewusster verbinden.

Übe an einer eigenen kurzen Folge: C–Am–F–G wird in G-Dur zu G–Em–C–D. Spiele beide und singe denselben melodischen Verlauf in der jeweiligen Lage. Weiter geht es mit dem Griffbrett, Jazz und Blues und Gottesdienstarrangements.

Als ergänzende Fachquellen erläutert Open Music Theory die Grundlagen von Dreiklängen und Septakkorden. Die Griffbeispiele und Übungen hier sind für diese Bibliothek zusammengestellt.

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