Ukulele-Bibliothek · Spielen und Lernen

Ukulele halten und entspannt greifen: Ein guter Anfang für beide Hände

Von Johannes Immanuel Schneider · 5 Minuten Lesezeit

Bevor die Finger einen Akkord finden, braucht die Ukulele einen guten Platz. Sie soll sicher liegen, während beide Hände beweglich bleiben. Eine angenehme Haltung macht kleine Bewegungen möglich und hilft dir, den Klang aufmerksam zu gestalten.

Mein Einstieg begann mit vier Akkorden. Dass daraus eine dauerhafte Liebe wurde, hat auch mit der unmittelbaren Nähe dieses Instruments zu tun. Man nimmt es in die Hand und kann anfangen. Damit diese Nähe beim Lernen erhalten bleibt, lohnt es sich, früh auf das eigene Spielgefühl zu achten.

In diesem Artikel

Das Instrument tragen, ohne es festzuklammern

Im Sitzen kann der Korpus am Körper und gegebenenfalls auf dem Oberschenkel Halt finden. Der rechte Unterarm liegt bei rechtshändigem Spiel locker auf dem Instrument. Der Hals zeigt meist leicht nach oben. Die genaue Position hängt von Körper, Instrumentengröße und Bewegungsmöglichkeiten ab.

Die Greifhand sollte nicht dauerhaft das gesamte Gewicht tragen müssen. Sonst wird jeder Akkordwechsel zugleich zu einer Halteaufgabe. Ein geeigneter Gurt kann helfen, die Ukulele stabil zu positionieren. Auch im Sitzen ist das eine sinnvolle Möglichkeit.

Probiere aus, ob die Ukulele ihre Lage weitgehend behält, wenn du den Greifdruck kurz löst. Dabei musst du sie nicht ungesichert loslassen. Es geht darum zu spüren, ob die linke Hand arbeiten kann, ohne das Instrument ständig hochzuziehen.

Die Greifhand beweglich einrichten

Der Daumen liegt häufig hinter dem Hals und bildet eine leichte Gegenstütze zu den Fingern. Seine genaue Position verändert sich mit dem Griff. Eine feste Vorschrift für jeden Akkord würde der Vielfalt von Händen und Bewegungen nicht gerecht.

Achte darauf, dass das Handgelenk nicht unnötig stark abgeknickt ist. Manchmal hilft es, den Hals etwas höher zu nehmen oder den Ellbogen leicht zu verlagern. Verändere jeweils nur eine Sache und prüfe, ob der Griff leichter wird.

Die Finger setzen möglichst gezielt auf den benötigten Saiten auf. Für manche Griffe ist eine rundere Fingerstellung sinnvoll; bei einem Barré legt sich ein Finger über mehrere Saiten. Unterschiedliche Aufgaben brauchen unterschiedliche Formen.

Dicht hinter dem Bund greifen

Wenn du einen Ton am dritten Bund spielen möchtest, setzt du den Finger im dritten Bundfeld dicht hinter das dritte Bundstäbchen. „Hinter“ bedeutet hier auf der Seite in Richtung Sattel. Der Finger drückt die Saite so an das Stäbchen, dass der verkürzte Abschnitt frei schwingen kann.

Liegt der Finger weit entfernt vom Stäbchen, kann mehr Druck nötig werden. Direkt auf dem Stäbchen kann der Klang ebenfalls beeinträchtigt sein. Suche die Position, an der der Ton mit wenig Kraft sauber entsteht.

Ein praktischer Versuch: Spiele die A-Saite am dritten Bund. Verringere den Druck langsam, bis der Ton nicht mehr klar ist. Erhöhe ihn dann nur wenig. Merke dir dieses Gefühl. Du brauchst nicht mehr Kraft, als der klare Ton verlangt.

Jede Saite einzeln prüfen

Wenn ein Akkord dumpf klingt, zupfe seine Saiten einzeln an. So findest du die betroffene Stelle. Vielleicht berührt ein Finger eine Nachbarsaite. Vielleicht sitzt er zu weit vom Bundstäbchen entfernt. Vielleicht ist die offene Saite durch die Handfläche gedämpft.

Verändere zunächst den Winkel, nicht sofort die Kraft. Hebe den betreffenden Finger minimal an und setze ihn gezielter auf. Spiele danach erneut alle Saiten. Diese kleine Untersuchung ist meist hilfreicher als den ganzen Akkord immer wieder kräftig anzuschlagen.

Beim Wechseln müssen Finger nicht hoch über das Griffbrett springen. Kleine Wege sparen Bewegung. Hebe nur so weit ab, dass die Saite frei wird, und suche dann die nächste Position.

Die Anschlaghand braucht Freiheit

Für einen einfachen Abschlag kann der Zeigefinger locker über die Saiten gleiten. Die Bewegung entsteht aus einem Zusammenspiel von Handgelenk und Unterarm. Sie muss nicht groß sein. Ein verkrampfter Finger bleibt leichter zwischen den Saiten hängen.

Beginne mit gedämpften Saiten. Lege die Greifhand ohne Druck auf alle Saiten und bewege die Anschlaghand gleichmäßig darüber. Du hörst einen rhythmischen, perkussiven Klang und kannst dich ganz auf die Bewegung konzentrieren.

Wechsle danach zu einem einzelnen Akkord. Versuche, dieselbe Leichtigkeit zu behalten. Wenn der Klang zu hart wird, verkleinere die Bewegung und höre auf den Kontakt zur Saite.

Sitzen, Stehen und längeres Spielen

Eine Haltung, die für zwei Minuten angenehm ist, kann nach längerer Zeit anstrengend werden. Wechsle gelegentlich die Position und mache kurze Pausen. Lege das Instrument dabei wirklich ab und lockere die Hände, statt in derselben Haltung weiter nachzudenken.

Beim Stehen helfen passende Gurthöhe und ein stabiler Stand. Stelle Noten oder Texte so auf, dass du nicht dauerhaft den Kopf stark senken musst. Wenn du singst, braucht auch dein Atem Raum.

Schmerzen sind kein Übungsziel. Unterbrich das Spielen bei Schmerzen, Taubheit oder anhaltenden Beschwerden und lass die Ursache bei Bedarf fachlich abklären. Musikalischer Fortschritt entsteht durch passende Wiederholung, nicht durch das Übergehen deutlicher Körpersignale.

Eigene Voraussetzungen ernst nehmen

Menschen bewegen sich unterschiedlich. Ein Gurt, eine Instrumentenstütze, ein anderer Fingersatz oder ein vereinfachter Akkord können einen Zugang eröffnen. Entscheidend ist, welche musikalische Aufgabe du damit erfüllen kannst.

Für mich gehört diese Offenheit zur Inklusion. Eine Erklärung soll Menschen helfen, ihren Weg zu finden. Sie soll nicht voraussetzen, dass alle dieselbe Körperhaltung oder dieselbe Handbewegung mitbringen.

Die nächsten Schritte findest du bei den ersten Akkorden und beim Strumming. Der Artikel über barrierefreies Lernen vertieft unterschiedliche Zugänge. Ein guter Anfang darf sich nach deinem eigenen Körper richten.

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