Ukulele-Bibliothek · Mein Leben mit der Ukulele

März 2024: Als zwei große Liebesgeschichten in meinem Leben begannen

Von Johannes Immanuel Schneider · 6 Minuten Lesezeit

Manchmal wartet etwas lange auf einen Platz im eigenen Leben. Man hört einen Klang, bleibt daran hängen und denkt: Das würde ich auch gern können. Dann geht der Alltag weiter. Die Begeisterung bleibt, aber das Instrument bleibt in den Händen anderer Menschen. So war es bei mir mit der Ukulele. Bis eine Freundin aus Berlin mir im März 2024 eine ihrer Ukulelen in die Hand drückte. Sie gab mir eine Aufgabe: innerhalb einer halben Stunde vier Akkorde lernen. Ich habe es geschafft. Seitdem gehören diese vier Saiten zu meinem Alltag.

Nur wenige Tage später lernte ich Sophie aus Mexiko kennen. Deshalb hat dieser Monat für mich einen besonderen Klang. Im März 2024 begannen zwei große Liebesgeschichten in meinem Leben: die zur Ukulele und die zu Sophie. Wenn ich heute von meinem Herzensinstrument spreche, steckt auch dieser Anfang darin. Ein Mensch traute mir etwas zu. Ich probierte es aus. Und mein Leben bekam eine musikalische Begleiterin, die ich nicht mehr missen möchte.

Johannes hält eine Ukulele und ein kleines Mikrofon.
Mein Herzensinstrument begleitet meine Arbeit und meinen Alltag.

In diesem Artikel

Lange vorher war da diese Stimme

Mein erster bewusster Zugang zur Ukulele war, wie bei vielen Menschen, Israel Kamakawiwoʻole mit „Over the Rainbow“. Diese Stimme und diese Begleitung haben mich fasziniert. Das Instrument klang für mich hell, offen und freundlich. Es musste sich nicht groß machen. Es war einfach da und trug das Lied. An diesen Eindruck kann ich mich gut anknüpfen, wenn ich heute erklären möchte, was mich an der Ukulele berührt.

Meine Erinnerung an den großen Erfolg in Deutschland passt auch zeitlich: Die Single erschien hier im September 2010 und erreichte Platz eins der deutschen Charts. Das dokumentieren Universal Music und die Offiziellen Deutschen Charts. Für mich begann damit keine sofortige Musikerkarriere. Es begann eine Faszination, die lange bestehen blieb.

Wenn andere Ukulele spielten, fand ich das immer wieder anziehend. Ich mochte den Klang und die unmittelbare Nähe zwischen einem Menschen, einem kleinen Instrument und einem Lied. Gleichzeitig blieb da eine Schwelle. Selbst anfangen ist etwas anderes als begeistert zuhören. Man muss bereit sein, die ersten unbeholfenen Töne zu machen. Lange habe ich mich dazu nicht getraut.

Eine Freundin gab mir den Anfang in die Hand

Das Besondere an der Begegnung mit meiner Berliner Freundin war ihre Einfachheit. Die Ukulele war da. Ich durfte sie nehmen. Die Aufgabe war überschaubar. Vier Akkorde in einer halben Stunde: Das war konkret genug, um anzufangen, und groß genug, um mich zu begeistern. Ich musste nicht zuerst entscheiden, ob ich jemals richtig gut werden würde. Ich konnte herausfinden, was in diesen dreißig Minuten möglich war.

Heute sehe ich darin viel von dem, was mir auch in meiner Arbeit wichtig ist. Menschen brauchen Gelegenheiten, in denen sie etwas selbst tun können. Zutrauen wird spürbar, wenn jemand Platz dafür schafft. Meine Freundin erklärte mir nicht ausführlich, wie schön musikalische Teilhabe sein könnte. Sie gab mir ein Instrument und eine Aufgabe. Ich durfte meine eigene Erfahrung machen.

Dass ich die vier Akkorde tatsächlich spielen konnte, veränderte meine Beziehung zur Ukulele. Aus einem bewunderten Instrument wurde eines, auf dem ich selbst etwas zum Klingen bringen konnte. Der Abstand war plötzlich kleiner. Meine Hände hatten einen Anfang gefunden. Und ich wollte weitergehen.

Zwei Anfänge, die für mich zusammengehören

Wenige Tage nach diesem musikalischen Anfang kam Sophie in mein Leben. Sie ist Mexikanerin. Dass ich sie in demselben Monat kennenlernte, in dem ich mit der Ukulele begann, macht diese Zeit für mich besonders. Es sind zwei unterschiedliche Geschichten. Beide haben mein Leben bereichert. Beide gehören zu dem, was ich mit Nähe, Freude und einem offenen Blick nach vorn verbinde.

Ich erzähle das gern, weil eine persönliche Geschichte nicht erst dann bedeutsam ist, wenn sie spektakulär klingt. Manchmal reichen eine geliehene Ukulele, eine halbe Stunde und eine Begegnung wenige Tage später. Erst im Rückblick merkt man, wie viel damit angefangen hat. März 2024 ist für mich so ein Monat.

Die Ukulele trägt deshalb auch Erinnerung. Wenn ich sie in die Hand nehme, ist sie natürlich zunächst ein Instrument aus einem Korpus, einem Hals und vier Saiten. Für mich steckt darin zugleich ein Stück Lebensgeschichte. Ich erinnere mich daran, dass ich anfangen konnte. Und daran, dass in diesem Monat ein Mensch in mein Leben kam, der mir sehr viel bedeutet.

Aus vier Akkorden wurde ein eigener Weg

Das Spielen habe ich mir weitgehend selbst beigebracht. Ich wollte verstehen, was meine Hände tun und welche Klänge daraus entstehen. Aus dem ersten Erfolg wuchs die Lust, mehr zu entdecken. Die Ukulele wurde etwas, zu dem ich immer wieder zurückkehrte. Heute gehört sie so selbstverständlich zu mir, dass es schwerfällt, mir meinen musikalischen Alltag ohne sie vorzustellen.

Dabei interessiert mich längst mehr als das Begleiten einiger Lieder. Ich liebe die Möglichkeiten zwischen Gesangsbegleitung, Melodie und Fingerpicking. Mich ziehen warme und helle Klänge an. Ich mag dieses silbrige Glitzern, das freundlich klingt und trotzdem Tiefe hat. Brasilianische Rhythmen, Pop und Worship gehören zu den musikalischen Welten, die ich miteinander verbinden möchte.

Die ersten vier Akkorde waren dafür eine Tür. Hinter ihr liegt ein großer Raum. Je länger ich spiele, desto deutlicher merke ich, wie viel darin noch zu entdecken ist. Das macht die Ukulele für mich so lebendig: Sie hat mir einen einfachen Anfang geschenkt und stellt mir immer wieder neue musikalische Fragen.

Warum ich diese Geschichte weitererzähle

Ich wünsche mir, dass Menschen sich durch meine Geschichte zum eigenen Anfang eingeladen fühlen. Vielleicht kennst du dieses lange Zögern vor etwas, das dich begeistert. Vielleicht hörst du anderen gern zu und hast noch nie ausprobiert, was deine eigenen Hände können. Mein Anfang bestand aus einer kleinen, machbaren Aufgabe. Genau diese Erfahrung möchte ich weitergeben.

Darum entsteht diese Bibliothek. Hier soll Platz sein für gründliches Wissen und für die Freude am Ausprobieren. Du kannst lesen, wie das Instrument entstanden ist, wie Akkorde funktionieren und wie sich verschiedene Spielweisen anfühlen. Du darfst zugleich einfach neugierig sein. Niemand muss sich eine Eintrittskarte in die Musik verdienen.

Meine Freundin konnte damals nicht wissen, welchen Platz ihre Ukulele in meiner Geschichte bekommen würde. Sie hat mir den Anfang ermöglicht. Heute möchte ich etwas von diesem Zutrauen weitergeben. Vielleicht beginnt deine Geschichte mit vier Akkorden. Vielleicht mit einer einzigen Melodie. Vielleicht auch erst damit, dass du dich traust, ein Instrument in die Hand zu nehmen. Ich freue mich, wenn meine Ukulele dich dabei begleitet.

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