Ukulele-Bibliothek · Instrument und Klang

Die Konzertukulele: Beweglichkeit, Nähe und mein musikalisches Zuhause

Von Johannes Immanuel Schneider · 6 Minuten Lesezeit

Zwischen Sopran und Tenor liegt ein Format, das viele unterschiedliche Aufgaben zusammenbringen kann. Die Konzertukulele bleibt kompakt und bietet zugleich etwas mehr Abstand zwischen den Bünden als eine typische Sopran. Wer gern Lieder begleitet, kleine Melodien spielt und sein Instrument mitnimmt, findet hier eine interessante Möglichkeit.

Für meine Vorstellung von Musik ist diese Verbindung wichtig: Ein Instrument darf leicht erreichbar sein und trotzdem musikalische Entwicklung ermöglichen. Die Ukulele begleitet mich seit März 2024. Mit jedem neuen Zusammenhang wird deutlicher, wie viel Ausdruck in vier Saiten steckt. Die Konzertgröße verdient deshalb einen eigenen Blick auf ihre Bauweise und ihr Spielgefühl.

In diesem Artikel

Meine aNueNue AMM2 ist eine Konzertukulele, zu der ich besonders gern zurückkehre. Ich mag ihren vollen Klang und ihre Bespielbarkeit. Wenn ich hier über die Konzertgröße schreibe, steht für mich deshalb auch ein vertrautes Instrument dahinter. Das erklärt meine Nähe zu diesem Format; es lässt zugleich Raum für andere Hände und andere Klangvorlieben.

Was „Konzert“ hier bedeutet

Der Name bezeichnet eine Baugröße. Er sagt nichts darüber aus, wer damit auftreten darf oder wie fortgeschritten jemand sein muss. Eine Sopran kann ein Konzertinstrument sein. Eine Konzertukulele kann in der ersten Unterrichtsstunde gespielt werden. Musikalische Qualität entsteht durch Instrument, Spieler und Gestaltung gemeinsam.

Die Mensur einer Konzertukulele liegt häufig ungefähr zwischen 37 und 39 Zentimetern. Als konkretes Beispiel hat die Kamaka HF-2 eine Mensur von 15 Zoll, also 38,1 Zentimetern. Andere Hersteller können davon abweichen. Auch Halsbreite, Korpusform und Bundzahl unterscheiden sich.

Mehr Raum ist eine konkrete Erfahrung

Gegenüber einer kürzeren Mensur wachsen die Abstände der Bünde. Das kann einzelnen Fingern helfen, ohne Berührung der Nachbarsaiten aufzusetzen. Gleichzeitig werden bestimmte Spannweiten größer. Eine Hand kann deshalb einen engen Dreifingergriff angenehmer finden und bei einem weiten Griff mehr arbeiten müssen.

Beim Ausprobieren lohnt sich eine kleine Auswahl verschiedener Aufgaben. Spiele einen Einfingerakkord, einen Griff mit drei Fingern und eine kurze Tonfolge auf einer Saite. So prüfst du nicht nur den bequemsten Moment. Du lernst kennen, wie das Instrument bei unterschiedlichen Bewegungen reagiert.

Auch die Korpuslage beeinflusst den Komfort. Wenn der rechte Arm den Korpus stark festhält, wird die Anschlaghand unbeweglich. Ein passender Gurt kann entlasten. Im Sitzen kann eine leicht veränderte Instrumentenposition helfen. Die Ukulele soll sicher liegen, während beide Hände ihre musikalische Aufgabe erfüllen.

Vertraute Stimmung, viele Klangmöglichkeiten

Eine Konzertukulele wird üblicherweise G–C–E–A gestimmt. Die vierte Saite kann ein hohes oder tiefes G sein. Beim hohen G bleibt der Tonraum der offenen Saiten eng zusammen. Beim tiefen G erhält die Musik zusätzliche tiefe Töne.

Die Akkordformen bleiben bei einem Wechsel zwischen High G und Low G grundsätzlich gleich, solange GCEA erhalten bleibt. Was sich verändert, ist die Lage einzelner Akkordtöne. Ein grifftechnisch identischer Akkord kann dadurch eine andere tiefste Stimme bekommen. Das wird besonders bei Soloarrangements und bewusst geführten Basslinien hörbar.

Für die Begleitung einer Singstimme können beide Varianten passen. Höre darauf, ob die Ukulele die Stimme trägt, sich mit ihr verbindet oder zu viel Aufmerksamkeit auf einzelne tiefe Töne lenkt. Ein Klang ist immer auch eine Entscheidung über die Rolle des Instruments.

Vom Akkord zum kleinen Arrangement

Die Konzertgröße eignet sich für einen Lernweg, der vom Begleiten aus weiterführt. Beginne mit einem Akkord, den du sicher greifen kannst. Spiele ihn einmal vollständig und danach Saite für Saite. Nun hörst du, welche Töne in dem Griff enthalten sind.

Lass den Akkord stehen und verändere vorsichtig einen erreichbaren Ton. Achte auf die entstehende Spannung und darauf, ob die übrigen Saiten weiterklingen. So wird aus einem statischen Griff ein kleiner musikalischer Zusammenhang. Später kannst du solche Bewegungen zwischen Gesangszeilen einsetzen.

Das ist eine gute Brücke zum Fingerpicking. Die rechte Hand verteilt den Klang zeitlich, während die linke Hand zunächst bei vertrauten Formen bleibt. Du musst dafür nicht sofort schwierige Griffe lernen. Eine einfache Harmonie kann durch Reihenfolge, Lautstärke und Pausen sehr lebendig werden.

Die eigene Stimme als Maßstab

Wer viel singt, sollte ein Instrument auch mit der eigenen Stimme ausprobieren. Spiele einen Akkord leise und singe einen bequemen Ton darüber. Erhöhe danach die Lautstärke nur so weit, dass die Stimme mühelos verständlich bleibt. Damit findest du ein erstes Verhältnis zwischen Gesang und Begleitung.

Probiere anschließend eine höhere und eine tiefere Gesangslage. Manchmal gefällt ein Instrument allein besonders gut, fügt sich aber in einer bestimmten Lage weniger passend ein. Die Lösung kann ein anderer Anschlag, eine andere Tonart oder eine andere Akkordlage sein. Nicht jede Klangfrage verlangt sofort ein anderes Instrument.

Für gemeinsames Singen ist diese Aufmerksamkeit besonders wertvoll. Ich verbinde mit der Ukulele die Hoffnung, dass Menschen sich beteiligen. Dazu gehört eine Begleitung, die den Gesang verständlich macht und den Puls zuverlässig trägt.

Was du beim Kauf hören und fühlen kannst

Vergleiche möglichst zwei Instrumente derselben Größe. So bemerkst du, wie groß die Unterschiede innerhalb der Kategorie sein können. Spiele langsam jeden Bund auf jeder Saite an. Achte auf schnarrende Töne, unangenehme Bundenden und einen Hals, der sich für deine Hand stimmig anfühlt.

Prüfe außerdem, ob sich das Instrument gut stimmen lässt und gegriffene Akkorde sauber wirken. Eine sehr hohe Saitenlage kann das Greifen erschweren. Die Einstellung eines Instruments gehört deshalb zur Kaufentscheidung. Eine gute Beratung erklärt dir, was bereits passend eingerichtet ist und welche Anpassungen möglich sind.

Die Konzertukulele ist ein vielseitiges Format mit einem eigenen Verhältnis von Größe, Spielraum und Klang. Ob sie dein musikalisches Zuhause wird, findest du durch Spielen heraus. Genau zu diesem Entdecken möchte ich mit der Bibliothek einladen.

Weiterlesen kannst du über Saiten und Spielgefühl, Fingerpicking und die Auswahl eines Instruments.

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