Glaube und Behinderung
Wenn Menschen für mich beten möchten, ist meine erste Frage: Haben sie mich gefragt, was mir gerade wichtig ist? Vielleicht beschäftigt mich eine Beziehung, eine Entscheidung oder die Suche nach Kraft. Meine Blindheit ist nicht automatisch mein einziges Anliegen.
Ich wünsche mir eine Kirche, in der Menschen mit Behinderung mit ihrem ganzen Leben vorkommen.
Gebet beginnt mit Zuhören
Eine Frage wie „Wofür möchtest du beten?“ lässt mir Raum. Sie nimmt ernst, dass ich selbst weiß, was ich ansprechen möchte.
Ein ungefragtes Heilungsgebet kann dagegen vermitteln, mein Körper sei zuerst ein Problem, das gelöst werden müsse. Gut gemeinte Aufmerksamkeit kann dann zur Belastung werden.
Behinderung erklärt keinen Glauben
Aus einer bleibenden Behinderung lässt sich nicht ablesen, wie stark jemand glaubt. Solche Zuschreibungen verschieben Verantwortung auf den betroffenen Menschen und können tief verletzen.
Mein Wert vor Gott hängt nicht davon ab, ob sich mein Körper verändert. Ich darf glauben, hoffen, zweifeln und mein Leben gestalten, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen.
Biblische Geschichten sorgfältig lesen
Heilungserzählungen gehören zur Bibel. Bei ihrer Auslegung sollten wir darauf achten, welche Botschaft Menschen mit Behinderung heute mitnehmen.
Sprecht nicht über uns, als seien wir ausschließlich Bilder für Defizite. Fragt, wie Würde, Beziehung und Teilhabe in einem Text sichtbar werden. Lasst unterschiedliche Erfahrungen zu Wort kommen.
Eine Gemeinde, die mitgeht
Gemeinschaft wird konkret, wenn Informationen zugänglich sind, Wege offenstehen und ich meine Gaben einbringen kann. Diese Arbeit lässt sich nicht durch ein Gebet ersetzen. Beides kann aus einer aufmerksamen Haltung wachsen.
Ich möchte vor Gott und unter Menschen mit meinem ganzen Leben willkommen sein. Meine Blindheit macht mich weder zu einem schlechteren Christen noch zu einer geistlichen Aufgabe für andere.
Im Gespräch bleiben
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