Gesellschaft und Zusammenhalt
Ich möchte mich über ein Tor freuen können, ohne dass anschließend jemand entscheidet, wer hier richtig dazugehört. Fußballbegeisterung kann Menschen verbinden. Sie kann aber auch zum Anlass werden, alte Grenzen neu zu ziehen.
Die Frage ist für mich deshalb: Wie feiern wir so, dass die Würde der anderen selbstverständlich bleibt?
Freude braucht keine Abwertung
Ein Team anzufeuern gehört zum Sport. Andere Menschen wegen Herkunft, Hautfarbe oder Sprache abzuwerten, gehört nicht dazu. Diese Grenze lässt sich klar benennen, auch wenn jemand einen Spruch als harmlosen Spaß bezeichnet.
Wer Gastgeber ist, prägt die Atmosphäre. Schon die Einladung kann deutlich machen: Verschiedene Mannschaften, verschiedene Geschichten und gemeinsames Feiern sind willkommen.
Zugehörigkeit bleibt auch nach einer Niederlage
Menschen mit Einwanderungs- oder Adoptionsgeschichte erleben immer wieder, dass ihre Zugehörigkeit kommentiert wird. Ein Trikot kann dafür plötzlich zum Vorwand werden.
Ich bin nicht weniger deutsch, wenn mein Herz auch für Brasilien schlägt. Und niemand muss durch besondere Begeisterung für die deutsche Mannschaft beweisen, dass er oder sie hier willkommen sein darf.
Was ihr am Fußballabend sagen könnt
Wenn ein rassistischer Kommentar fällt, hilft eine kurze Unterbrechung: „Der Spruch wertet Menschen wegen ihrer Herkunft ab. Das wollen wir hier nicht.“ Ihr müsst dafür keinen Vortrag halten.
Fragt anschließend die betroffene Person, was sie braucht. Möchte sie Unterstützung, einen anderen Platz oder einfach weiter das Spiel erleben? Sie sollte nicht zusätzlich die ganze Gruppe über Rassismus aufklären müssen.
Die Stimmung nach dem Abpfiff zählt
Ein gastfreundlicher Abend endet nicht mit dem Ergebnis. Bleibt ansprechbar, wenn etwas verletzt hat. Besprecht im Team, wie ihr beim nächsten Mal früher reagiert. Wenn sich Grenzverletzungen wiederholen, braucht es nachvollziehbare Konsequenzen.
Ich wünsche mir eine Freude, die großzügig bleibt. Wir dürfen begeistert sein. Wir dürfen enttäuscht sein. Und wir können dabei daran festhalten, dass kein Spielergebnis den Wert eines Menschen verändert.
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